Online-Terminbuchung für die Praxis — was gibt es neben den großen Plattformen?
Online-Termine sind für Patienten inzwischen Erwartung, nicht Extra. Die Frage ist nicht ob, sondern wie: große Buchungsplattform, PVS-Anbindung oder eigener schlanker Kalender? Eine ehrliche Einordnung — inklusive der Stelle, an der ich selbst ein Angebot habe.
Von Dr. Holger K. Maerz · Stand: 18. Juli 2026
Was die großen Plattformen wirklich verkaufen
Der eigentliche Wert von Plattformen wie Doctolib liegt nicht im Buchungs-Widget — das ist technisch keine Kunst. Er liegt in der Echtzeit-Synchronisation mit dem Praxisverwaltungssystem: Der Online-Kalender und der PVS-Kalender sind jederzeit identisch, in beide Richtungen. Dafür pflegen die Anbieter eigene Anbindungen an jedes verbreitete PVS — ein enormer Dauer-Aufwand, den sich der hohe Preis bezahlen lässt: Nach öffentlich zugänglichen Preisangaben (Stand Juli 2026) beginnt Doctolib bei rund 139 € pro Monat — pro Behandler. Dazu kommt ein zweiter Effekt, den man kennen sollte: Die Plattform ist zugleich ein Patienten-Portal. Ihre Praxis wird dort neben anderen gelistet — die Terminvergabe und ein Teil der Patientenbeziehung wandern auf die Plattform.
Das kann sich lohnen: für größere Praxen mit hohem Terminaufkommen, vielen Behandlern und dem Wunsch, über die Plattform neue Patienten zu gewinnen. Es ist aber kein Naturgesetz, dass jede Praxis das braucht.
Ein Irrtum vorweg: Termin und Abrechnung sind getrennte Welten
In Gesprächen höre ich oft die Sorge, ein Online-Kalender „außerhalb des PVS" könne die Kassenabrechnung stören. Das beruht auf einem Missverständnis: Die Abrechnung läuft über den Behandlungsfall im PVS und beginnt mit dem Einlesen der Versichertenkarte in der Praxis — völlig unabhängig davon, wie der Termin vereinbart wurde. Ein eigenständiger Terminkalender berührt die Abrechnung nicht.
Die Alternativen für kleine Praxen
Variante 1: eigenständiger Online-Kalender
Ein Buchungskalender auf der eigenen Praxis-Webseite, mit eigenen Regeln (Terminarten, Pufferzeiten, Sperrtage) und automatischen Bestätigungen und Erinnerungen. Der Online-Kalender ist die Quelle der Wahrheit; das Praxisteam überträgt Termine ins PVS, wie es das von telefonischen Terminen kennt. Der ehrliche Preis dafür ist ein Handgriff Disziplin an der Anmeldung — der Gewinn: volle Datenhoheit, keine Plattform zwischen Praxis und Patient, und Kosten pro Praxis statt pro Behandler.
Variante 2: Anbindung ans PVS
Manche — vor allem cloudbasierte — Praxisverwaltungssysteme bieten offene Schnittstellen, über die sich Online-Termine automatisch ins PVS übertragen lassen. Ob das für Ihre Praxis möglich ist, hängt vom konkreten System und seiner Schnittstellenpolitik ab und lässt sich seriös nur nach einer technischen Prüfung beim Hersteller sagen — eine gesetzlich garantierte Schnittstelle für Live-Terminbuchung gibt es trotz aller Interoperabilitäts-Vorgaben bislang nicht. Entsprechend gehört zu jedem seriösen Angebot dieser Art eine Prüfung vor der Preiszusage, nicht danach.
Wie ich es anbiete
Auch hier lege ich mein Modell offen, damit die Einordnung ehrlich bleibt. Als Ergänzung zur Praxis-Webseite biete ich ein Terminmodul in zwei Ausbaustufen an: den eigenständigen Kalender für 990 € Einrichtung plus 79 € pro Monat (Betrieb, Wartung, SMS-/E-Mail-Erinnerungen) — pro Praxis, nicht pro Behandler. Und die PVS-Anbindung ab 3.900 €, individuell beziffert nach technischer Prüfung Ihres Systems, plus 99 € pro Monat. Für viele kleine Praxen ist die erste Variante der vernünftige Einstieg — aufrüsten lässt sich später immer.
Ob sich das für Ihre Konstellation rechnet, hängt von Terminaufkommen, Behandlerzahl und Ihrem PVS ab — genau das klären wir in einem unverbindlichen Erstgespräch. Grundlagen zur Webseite selbst finden Sie in den Beiträgen Was kostet eine Praxis-Homepage? und Praxis-Website und DSGVO.
Häufige Fragen
Bricht ein eigenständiger Online-Kalender meine Kassenabrechnung?
Nein — das ist ein verbreiteter Irrtum. Abgerechnet wird der Behandlungsfall über das Praxisverwaltungssystem, ausgelöst beim Einlesen der Versichertenkarte in der Praxis. Wie der Termin zustande kam — telefonisch, online oder an der Anmeldung — spielt dafür keine Rolle. Für vertragliche Details empfehle ich trotzdem, das mit dem eigenen PVS-Betreuer oder der KV kurz gegenzuprüfen.
Können Patienten dann doppelt buchen — online und telefonisch?
Bei einem eigenständigen Kalender muss das Praxisteam Online-Termine und Telefon-Termine im selben Kalender zusammenführen — das verlangt etwas Disziplin an der Anmeldung, ist im Alltag kleiner Praxen aber gut machbar, weil der Online-Kalender die einzige Quelle der Wahrheit ist und das PVS nur nachgepflegt wird. Wer diesen Handgriff vermeiden will, braucht eine Anbindung ans PVS — und sollte die Mehrkosten dagegen abwägen.
Was ist mit Videosprechstunde?
Videosprechstunden dürfen nur über zertifizierte Videodienstanbieter laufen (Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte). Eine Praxis-Webseite ersetzt diese Dienste nicht, sondern verlinkt sie: Sie ist die Eingangstür, über die Patienten den Termin finden und buchen — die Video-Verbindung selbst läuft beim zertifizierten Anbieter.
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